Findest Du einen Museumsbesuch auch manchmal anstrengend oder überwältigend?

Hast Du Interesse an Kunst, aber keinen kunsthistorischen Background? Sagt Dir moderne Kunst vielleicht auf den ersten Blick nichts oder hast Du keine Lust, sich vor dem Besuch eines Museums durch Texte und Informationen zu kämpfen?

Vielleicht gehst Du nur aus Gruppenzwang (oder Liebe) mit und hast eigentlich selbst kein großes Interesse an Kunst? Denkst Du manchmal: „Damit kann ich nichts anfangen“, „Das verstehe ich nicht“, „Das geht an mich nicht ran“?

Dann werden Dir die folgenden drei Strategien helfen, mehr Freude am nächsten Museumsbesuch zu haben.

Mein erster Tipp ist, einen Fokus zu setzen

Man muss man nicht ALLES im Museum anschauen, nur weil man den Eintritt für das gesamte Haus bezahlt hat. Davon sollten Du Dich freimachen. Du hast viel mehr davon wenn Du Dich auf weniger fokussierst.

Du darfst auch nur einen Teil des Museums besuchen oder nur wenige Werke betrachten, nur die, die Dich besonders interessieren.

Du kannst Dich fokussieren, indem Du auf dem Museumsplan Kunstwerke oder bestimmte Künstler aussuchst und gezielt dorthin gehst.

Du kannst aber auch ganz spontan Deinem Gefühl folgen. Wenn Du einen Raum betrittst, konzentrierst Du Dich nur das eine Bild, das Dich direkt anspricht.

Zum Fokussieren gehört aber auch, dass Du Dir dann wirklich Zeit für das ausgewählte Werk nimmst.

Du stellst oder setzt Dich vor das ausgewählte Bild und betrachtest es eine Weile, lässt es auf Dich wirken. Beispielsweise 15 Minuten, vielleicht sogar 30 Minuten.

In Amerika gibt es für diese Art von Kunstbetrachtung sogar einen eigenen Tag: den Slow Art Day. Die Teilnehmer sitzen 60 Minuten vor ein Kunstwerk und berichten, die Kunst viel intensiver wahrgenommen zu haben, sozusagen wirklich ‚erlebt‘ zu haben.

Stelle Dir Fragen

Wenn Du meinen zweiten Tipp anwendest, wirst Du merken, dass Du viel intensiver schaust. Du kannst Dir verschiedene Fragen stellen, wenn Du vor einem Kunstwerk stehst:

Zum Beispiel: Was sehe ich? Du beobachtest. Lässt den Blick wandern. Oft geben die Kunstwerke uns einen Weg vor, ein Pfad von einem Element zum nächsten. Du lässt Deinen Blick diesem Weg folgen.

Wenn Du keinen Weg entdeckst oder es keinen gibt, dann ist das auch nicht dramatisch. Nimm dies als Teil der Erfahrung und des Erlebnisses. Es heißt nicht, dass Du etwas nicht verstehst.

Du kannst Dir Fragen zu den Besonderheiten des Werkes stellen: Wie groß ist das Werk, wie groß sind die einzelnen Elemente im Verhältnis dazu? Welche Farben wurden verwendet? Welche Materialien? Welche Formen? In welchen Zeitabschnitt gehört es? Welche Techniken wurden verwendet?

Eine weitere Frage ist: Wie wurde es gemacht? Mit einem dicken Pinsel gemalt, mit einem Bleistift gezeichnet, oder brachial mit einem Hammer …?

Wie hat der Künstler es gemacht? Mit feinteiligen Bewegungen oder raumgreifende Aktionen, mit Kraft oder Leichtigkeit, …

Sicher ist: Wenn Du schaust und Dir Fragen stellst, wirst Du Dinge bemerken, die Du vorher nicht wahrgenommen hast.

Tipp Nummer 3 ist, Kunst einmal mit Musik zu vergleichen

Kunst hat viele Parallelen zur Musik. Wenn Du das nächste Mal vor einem Kunstwerk stehst, versuche einmal, es Dir als Musik vorzustellen:

Rhythmus, Schwingungen, Balance, Wiederholungen, Harmonien, Gegensätze, Stakkato, Pausen, laut, leise, …. Alle diese Elemente gibt es sowohl in der Musik als auch in der Kunst.

Und alle Teile zusammen ergeben eine Komposition.

Der Jazz-Musiker Miles Davis hat einmal in Bezug auf ein abstraktes Gemälde von Kandinsky gesagt:

Ein Gemälde ist Musik die man sehen kann
und Musik ist ein Gemälde, das man hören kann.

Diese drei Strategien können Dir helfen, einen Zugang zu Kunst zu finden und Spaß an einer Kunstausstellung zu haben. Du kannst sie einzeln anwenden, Du kannst sie aber auch kombinieren.

Ich finde außerdem noch wichtig zu betonen, dass ein Kunstwerk nicht jedem etwas sagen muss. Lass die Kunst auf Dich wirken ohne das Ziel, etwas zu verstehen.

Extra Tipp

Zum Schluss habe ich noch einen kleinen Extra-Tipp, wenn einen auf einer Ausstellung mal gar kein Kunstwerk anspricht – oder für absolute Ignoranten:

Anstatt die Kunstwerke zu betrachten, kannst Du auch den anderen Besuchern beim Betrachten zuschauen. Was sagen sie, wie reagieren sie, wie tauschen sie sich mit anderen aus? Das ist auf jeden Fall interessant und im Idealfall sogar erhellend.

Es gibt Zeiten, zu denen man keine Museen besuchen kann. Sei es wegen des Coronavirus oder aus persönlichen Gründen. Diese Strategien können wir aber trotzdem anwenden. Wer sich für Kunst interessiert, kann im Internet danach suchen, z. B auf den Webseiten von Museen oder Du blätterst zuhause einen Kunstband durch.

Die Tipps verschaffen Dir aber nicht nur Zugang zu Kunstwerken, sondern auch zu anderen interessanten Dingen. Betrachte doch mal Deine Pflanzen im Garten oder Insekten in der Natur so genau wie oben beschrieben. Stelle Dir Fragen und lasse sie auf Dich wirken.

Du wirst sie dadurch noch mehr genießen.