Early Birds – Symphonie der Morgendämmerung
Vogelstimmen zeichnen
Early Birds – Symphonie der Morgendämmerung ist eine zeichnerische Annäherung an den Vogelgesang in den frühen Morgenstunden.
Mich interessiert dieser Moment vor Sonnenaufgang, wenn das Hören besonders wach wird und die ersten Vogelstimmen den Raum strukturieren. Ich bin draußen, wenn es noch fast dunkel ist. Die Geräusche sind klarer, die Wahrnehmung ist offener, und bevor überhaupt eine Linie aufs Papier kommt, steht erst einmal das Lauschen.
Der Ausgangspunkt meiner Arbeit ist nicht das Sichtbare, sondern das Hören.
Im Zentrum steht ein Moment, der sich kaum festhalten lässt: die Zeit vor Sonnenaufgang, in der das Hören besonders wach wird und die ersten Stimmen der Vögel den Raum strukturieren. Mich interessiert nicht das Abbilden eines Naturerlebnisses, sondern die Frage, wie sich etwas Flüchtiges und nicht Sichtbares in eine bildnerische Sprache übersetzen lässt.
Ausgangspunkt meiner Arbeit ist nicht das Sichtbare, sondern das Hören.

International Dawn Chorus Day
Ein Bezugspunkt für das Projekt ist der International Dawn Chorus Day, der jedes Jahr am ersten Sonntag im Mai stattfindet. An diesem Morgen lauschen Menschen weltweit vor Sonnenaufgang dem Vogelgesang.
Mich interessiert daran vor allem der Gedanke eines gemeinsamen Moments, der sich über verschiedene Orte hinweg ereignet und doch immer sehr individuell bleibt. Für meine Arbeit ist dieser Tag kein festes Ereignis, sondern eher ein Anlass, mich auf diese besondere Zeit im Frühjahr einzulassen, in der der Vogelgesang besonders intensiv wird.
Hier zwei Links zum International Dawn Chorus Day:
dawn-chorus.org (deutsch)
wildlifetrusts.org/dawn-chorus-day (englisch)
Zeichnen aus dem Hören
Wenn ich Vogelstimmen zeichne, geht es nicht darum, etwas zu erkennen oder darzustellen. Ich höre hin, nehme Rhythmen, Pausen, Richtungen und Verdichtungen wahr und reagiere mit Linien, Bewegungen und Farbspuren.
So entstehen keine Abbilder, sondern Übersetzungen. Der Stift folgt keinem festen Plan, sondern dem Moment: mal als kurzer Impuls, mal als tastende Linie, mal als Verdichtung, mal als offener Verlauf.
Mich interessiert ein Zeichnen, das weniger kontrolliert als antwortet — unmittelbar, rhythmisch und offen.
Wenn ich in der Morgendämmerung draußen bin, verändert sich der Zugang zum Arbeiten. Das Sehen tritt zurück, das Hören wird intensiver, die Reaktion direkter. In dieser Situation entstehen Zeichnungen, die nicht beschreiben, sondern auf den Moment reagieren.
Zeichnen vom Dunkeln in die Morgendämmerung
In der Morgendämmerung draußen zu sein, verändert den Zugang zum Zeichnen. Der Körper ist wach, aber noch ruhig. Das Sehen tritt etwas zurück, das Hören wird intensiver. Gerade im Halbdunkel wird die Reaktion unmittelbarer.
Wenn ich ganz früh unterwegs bin, sehe ich nicht immer genau, was auf dem Papier geschieht. Auch das gehört für mich dazu. Es ist eine Form des Loslassens und zugleich ein Arbeiten mit geschärften Sinnen.
Ich arbeite in den frühen Morgenstunden draußen, oft noch im Dunkeln. Die ersten Vogelrufe setzen ein, bevor die Umgebung deutlich sichtbar wird. Gerade diese Wahrnehmungssituation zwischen Dunkelheit, Ruhe und wachsender Präsenz ist Teil der Arbeit.
Einblick in den Prozess
Das Video zeigt die Vorbereitung der Bildträger und erste Schritte der zeichnerischen Arbeit.
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Von Klang zu Spur
Wie aus Tönen Bilder werden
Beim Zeichnen folge ich keinem festen Plan. Ich höre hin und reagiere: auf Wiederholungen, abrupte Einsätze, Verdichtungen, Pausen, einzelne Richtungswechsel oder das Ineinander verschiedener Stimmen.
Beim Zeichnen verbinde ich Linien, Leerräume, Verdichtungen und farbige Spuren zu einem offenen Gefüge. Mich interessiert, wie sich etwas Flüchtiges in eine bildnerische Form übersetzen lässt — von Ohr zu Hand, von Klang zu Spur.
Die Arbeiten verstehe ich nicht als Darstellung eines Morgenkonzerts, sondern als Reaktion auf einen Moment des Hörens. Vielleicht kann man sie als eine Art gezeichnete Partituren lesen, ohne dass sie musikalische Notation sein wollen.


Papier, Farbe, Leporello
Für Early Birds bereite ich lange Papierbahnen in Blau-, Petrol- und anderen Dämmerungstönen vor. Die Farbe schafft einen Hintergrund, der mit der Stimmung der frühen Morgenstunden verbunden ist und den Zeichnungen Tiefe und Offenheit gibt.
Die langen Formate falte ich zu Leporellos. Diese Form interessiert mich, weil sie Zeit und Verlauf sichtbar machen kann. Das Leporello trägt nicht nur einzelne Zeichnungen, sondern eine Bewegung über mehrere Abschnitte hinweg.

Was daraus entsteht
Early Birds ist aus dem wiederholten Hören und Zeichnen in den frühen Morgenstunden entstanden. Über die Zeit haben sich daraus Zeichnungen und Leporellos entwickelt, die nicht auf Darstellung zielen, sondern auf Übersetzung. Mich interessiert, was geschieht, wenn ich in diese Arbeit weiter hineingehe — welche Spuren bleiben, welche Rhythmen wiederkehren und welche neuen Formen sich daraus ergeben.
Vogelstimmen zeichnen

