Hilfreiche Skizzenbuch-Tipps (oder warum du ein Skizzenbuch nutzen solltest)

Ich bin Ende Juni von einer Reise nach Japan zurückgekehrt. Mein Sohn und ich waren dort circa drei Wochen unterwegs, zuerst in Tokyo und Osaka, danach eine wunderbare Woche auf der westlichen Insel Kyushu und zum Abschluss noch ein paar Tage in Asakusa, Tokyo.

Wie immer auf Reisen hatte ich ein Skizzenbuch dabei. Wie sich das Buch füllt, ist immer von der Art der Reise abhängig. Diesmal ist ein lockeres Reisetagebuch daraus geworden (man könnte es auch als Scrapbook bezeichnet werden, weil ich viele verschiedene Dinge hineingeklebt habe).

Mein Japan Skizzenbuch

Mit dem Skizzenbuch unterwegs

Ich führe seit über 30 Jahren Skizzenbücher, mal mehr, mal weniger intensiv. Es gab Jahre, in denen ich wenig gezeichnet und Jahre, in denen ich mehrere Bücher gefüllt habe. Seit den 00er Jahren ist der Faden aber nicht mehr gerissen.

Ob alleine am Schreibtisch, auf Reisen im Ausland oder in meiner Heimat, mit Urban Sketchers oder befreundeten Künstlerinnen, als Tagebuch oder Experimentierfeld, das Skizzenbuch ist ein Ort, in dem ich mich zeichnerisch und malerisch frei fühlen kann.

Meine Zeichenbücher sind meist wuselig und etwas unordentlich, gerade so, wie es sich ergibt oder wie ich es fühle. Sie sind Ausdruck meines Prozesses, deshalb müssen sie nicht perfekt sein.

Es gab eine Zeit, da hat das Skizzenbuch einen gewissen Druck auf mich ausgeübt. Es wollte mit hochwertigen Zeichnungen und Aquarellen gefüllt werden, es wollte komplett gefüllt werden, bis zur letzten Seite. Von diesem Druck habe ich mich glücklicherweise inzwischen befreit. Da ich weiß, dass auch andere unter einem solchen Qualitätsdruck oder einem gewissen Zeichen-Stress leiden, habe ich meinen Weg zum lockeren Umgang mit meinen Zeichnungen hier in diesem Blogpost beschrieben.

Lang ist’s her

Ältere Skizzen, … die ersten stammen noch aus meinem Studium (die Bilder können per Klick vergrößert werden).

Was ist das Besondere an Skizzenbüchern?

In meinen Zeichenbüchern habe ich die jeweilige Zeit, meine jeweiligen Gefühle, mein jeweiliges Leben dokumentiert. Und wenn ich eins dieser Bücher in die Hand nehme, kann ich mich zurückerinnern. Kann mich in den jeweiligen Moment zurückfühlen. So ähnlich wie ein Tagebuch, aber doch anders. Es geht nicht um Gedanken, sondern um die Zeit, die ich mir genommen habe, um diese eine Zeichnung zu machen. Sich diesen speziellen Moment durch das Blättern im Skizzenbuch wieder herholen zu können, ist von unschätzbarem Wert. (Damit hat sich die nächste Frage eigentlich schon selbst erklärt.)

Warum du ein Skizzenbuch führen solltest

Wie eben schon beschrieben, können die im Skizzenbuch festgehaltenen Erinnerungen einen sehr persönlichen Wert für dich haben. Egal ob du auf Reisen gezeichnet hast oder als Urban Sketcher deinen Alltag dokumentierst, du kannst im Nachhinein eine Reise zurück in einen anderen Teil deines Lebens machen. Zudem macht es einfach unglaublichen Spaß zu zeichnen, besonders in Gesellschaft von anderen Zeichnern. Du nimmst deine Umwelt achtsamer und aufmerksamer wahr, wenn du dich zeichnerisch mit ihr beschäftigst. Du schaust mehr auf Details, erkennst Dinge, die du sonst nicht wahrnimmst – und das hat einen unglaublichen Wert.

Das Skizzenbuch bietet jedoch noch weitere Möglichkeiten. Praktisch betrachtet hilft es dir, besser zu werden, da du deinen Fortschritt Seite für Seite nachvollziehen kannst. (Ich empfehle dir dringend, regelmäßig zu zeichnen.) Du kannst deine Ideen zeichnerisch festhalten, experimentieren und deinen persönlichen Stil entwickeln – alles in einem privaten Rahmen. Was du im Buch festhältst, bleibt nur für dich sichtbar, sobald du es schließt.

Natürlich könntest du all das auch auf losen Blättern machen, aber warum ich das nicht für sinnvoll halte, erkläre ich weiter unten.

Themen-Skizzenbücher

Ich habe eine Menge Skizzenbücher! Du wahrscheinlich auch, oder? Einige davon fülle ich mit verschiedenen Inhalten, andere sind themenbezogen.

Stapel mit Büchern über Skizzenbücher

… ich hab auch eine Menge Bücher über Skizzenbücher (hier eine Auswahl).
Das Buch von Albrecht Rissler habe ich schon seit Mitte der 90er Jahre. Es hat mich immer inspiriert!

Welches Skizzenbuch für welche Technik?

Da ist es einfacher, ein Zeichenbuch zu kaufen. Inzwischen gibt es Skizzenbücher für Aquarelle, Mixed Media, für Marker, für Zeichnen und Tusche, für alles mögliche…

Diese speziellen Bücher können je nach Hersteller empfindlich teuer werden. Braucht man solche speziellen Zeichenbücher? Ich sage … ja und nein. Grundsätzlich reicht ein einfaches, billiges Skizzenbuch, um alles mögliche damit zu machen. Es ist sogar manchmal hilfreich, kein teures Buch vor sich liegen zu haben, weil dann das Gefühl der Blockade (Respekt vor dem weißen Blatt oder dem kostbaren Papier) geringer ist. Aber ich kann auch nicht umhin, zu sagen, dass ein Buch mit gutem Aquarellpapier es einfacher macht, ein gutes Aquarell zu malen. Insofern ist es schon wichtig, über die verschiedenen Arten zu sprechen.

Das für mich ideale Skizzenbuch hat keine Ringbindung! Es kann sein, dass es dir anders geht, aber für mich ist die Doppelseite im Skizzenbuch gestalterisch sehr wichtig. Der Vorteil des “Umklappens”, den das Ringbuch bietet, ist für mich zweitrangig.

Skizzenbuch Allrounder

Einfache Skizzenbücher für Bleistift und Fineliner findet man eigentlich überall. Sie sind meistens nicht sehr teuer. Teste einfach aus, was dir gefällt. Talens art creation z. B. ist gut und günstig (das einzige Manko für mich: das Papier ist ziemlich gelb).

Skizzenbuch für Aquarell

Bei einem Aquarell-Skizzenbuch ist es wichtig, dass das Papier gut mit Wasser umgehen kann, dick genug ist und sich deshalb nicht wellt. Ich mag die Bücher von Stillman & Birn sehr gerne (Beta ist ideal für Aquarell, aber auch Alpha funktioniert ganz gut). Ansonsten gefallen mir gut das Moleskine Watercolour Skizzenbuch und auch die Hahnemühle Aquarell Bücher. Die meisten Aquarell-Bücher haben texturiertes Papier (die genannten Bücher von Stillman & Birn sind nicht strukturiert).

Skizzenbücher für Mixed Media

Da ich oft in Mixed Media arbeite, mit Aquarell oder Gouache, Acryl-Markern und Farbstiften, mag ich Papier, das nicht so stark strukturiert ist. Für Mixed Media ist mein Favorit eindeutig: das Nostalgie-Skizzenbuch von Hahnemühle. Das Papier ist dick genug, um auch Wasserfarbe zu vertragen und glatt genug, um drauf zu zeichnen. Ich finde, es ist ein wunderbarer Allrounder.
Gut sind auch Canson XL Media und Strathmore 500 (das ist teurer!).

Skizzenbuch für Acrylfarbe

Bei einem Skizzenbuch für Acrylfarbe ist der wichtigste Aspekt, dass das Papier nicht zu dünn ist. Das Nostalgie von Hahnemühle funktioniert auch hier gut, vor allem, weil es nicht texturiert ist. Ansonsten habe ich hier keine Präferenz.

Skizzenbuch für Tusche oder Marker

Marker und Tusche funktionieren auf glattem Papier am besten. Boesner z. B. hat Bücher mit sehr glattem Papier für Tusche und Marker.
Das Zeichenbuch von Leuchtturm kenne ich aus den Goodie-Bags beim Urban Sketcher Symposium, aber es ist nicht so mein Fall. Das Papier ist zwar dick und sehr glatt, aber irgendwie konnte ich mich damit nicht anfreunden. Ist aber nur meine Meinung, ich kenne andere Zeichnerinnen, die gut damit zurechtkommen.
Ich mag die aufgerissenen Linien, die mit Tusche auf einem ungleichmäßigen Papier entstehen und kaufe keine Skizzenbücher mit sehr glattem Papier. Deshalb kann ich auch keine weiteren Empfehlungen dafür geben.

Wer mit Alkohol-Markern arbeitet, sollte sich ein Layout-Buch mit extra behandeltem Papier besorgen, da die alkoholhaltige Tinte sonst auch bei dickerem Papier durchschlägt.

Digitales Skizzenbuch?

Ich zeichne auch digital auf dem iPad. Man könnte das ein “digitales Skizzenbuch” nennen, aber für mich ist das iPad einfach nicht mit einem Buch vergleichbar. Mir fehlt die haptische Erfahrung dabei: das Knistern des Papiers, das Fühlen der Papierdicke, die Veränderung des Papiers durch das Wasser, die Einzigartigkeit jeden Blattes.

Wie groß sollte ein Skizzenbuch sein?

Die Größe des Skizzenbuchs ist von deinem persönlichen Zeichenstil und deinen Vorlieben abhängig. Außerdem bieten sich bei unterschiedlichen Anwendungen bestimmte Größen an.

Probleme mit dem Skizzenbuch oder:
Was kannst du machen, wenn dein Skizzenbuch dich stresst?

Setzt du dich mit dem Skizzenbuch unter Druck? Frag dich, warum.

  • Macht es dir keinen Spaß? Dann lass es einfach sein. Keiner muss ein Skizzenbuch führen.
  • Bist du perfektionistisch und es klappt nicht so, wie du es dir vorstellst? Dann mach dich locker. Egal, was du im Skizzenbuch machst, du musst es keinem zeigen! Weder musst sie deinem Partner oder deiner Partnerin zeigen, noch musst du sie auf Instagram posten. Die Privatheit eines Skizzenbuchs nimmt schon einiges vom Perfektionsdruck weg.
  • Wirst du mit dem Buch nicht warm? Wenn du mit einem speziellen Buch nicht zurechtkommst, dann leg es einfach weg. Es kann sein, dass du Jahre später, mit anderen Materialien oder Techniken wieder Spaß daran hast. Und wenn nicht? Egal!

So kannst du dich vom Zeichenstress befreien:

Schraube deine Ansprüche herunter. Das Skizzenbuch ist ein Arbeitsbuch, es ist kein Kunstbuch oder Kunstwerk! Es soll für dich arbeiten – nicht du für das Skizzenbuch (oder für die Leute, die sich das Buch anschauen könnten). Lass dich also nicht stressen, wenn du einen Fehler gemacht hast! Wenn dir eine Zeichnung nicht gefällt, reiße die Seite nicht raus. Geh kreativ damit um, indem du etwas darüber malst oder klebst (vielleicht sogar ein bewegliches Korrekturblatt, unter das du noch drunter schauen kannst – wie eine kleine Tür) oder warte einfach ab. Eine nicht ganz gelungene Skizze sieht ohne den direkten Vergleich zum Original gleich ganz anders aus.

Sei lieb zu dir selbst! Das Skizzenbuch ist als Arbeitsbuch dafür da, dass Fehler gemacht werden. Jeder Fehler bringt dich weiter!

Und außerdem: Die Zeit heilt alle Wunden. Wenn du mit ein wenig Abstand auf deine Zeichnungen schaust, kannst du deinen inneren Kritiker besser ausschalten. Außerdem kannst du Inspiration, interessante Details oder Kompositionen in scheinbar gedankenlosen Scribbles, Doodles oder schnellen Zeichnungen finden. Diesen Wert kannst du oft erst im Nachhinein beurteilen. Insofern finden sich in deinem Skizzenbuch Zeichnungen, die du vorher vielleicht einfach weggeworfen hättest, wenn du sie auf einem losen Blatt gezeichnet hättest.

Loseblattsammlung vs. Skizzenbuch

Warum empfehle ich, ein Skizzenbuch zu verwenden, anstatt auf losen Blättern zu zeichnen? Lose Blätter gehen leicht verloren oder enden in unübersichtlichen Stapeln und am Ende vielleicht sogar im Mülleimer, weil du den Zusammenhang nicht mehr erkennst. Ein Skizzenbuch hingegen bietet dir die Möglichkeit, deine Zeichnungen durchzublättern und den chronologischen Ablauf sowie deinen Fortschritt zu sehen.

Im Skizzenbuch stehen gute Zeichnungen neben weniger gelungenen – das hilft dir, deine Tagesform und deine ganz normale Unvollkommenheit zu akzeptieren. Ein Skizzenbuch ist nicht einfach eine Sammlung loser Blätter, sondern ein Buch, das deine künstlerische Entwicklung dokumentiert und bewahrt.

 

Was kannst du mit losen Blättern machen?

Mehr Tipps für das Skizzenbuch

Ideen, was du in deinem Skizzenbuch zeichnen kannst, findest du zuhauf im Internet (hierfür musst du nur kurz googeln, da füge ich jetzt nicht noch weitere Ideen oder Prompts hinzu).

Ich habe aber ein paar kleine Tipps für dich:

Tipps für Skizzenbuch-Anfänger

  • Leg einfach los! Das Machen ist das Wichtigste. Du brauchst nicht stundenlang Youtube-Videos zu schauen, um zu wissen, wie es geht (das hält dich im Zweifelsfall eher davon ab, überhaupt zu zeichnen). Schau einfach, was um dich herum passiert und zeichne das. Oder doodle und kritzle einfach drauflos. Nicht jede Skizze muss etwas abbilden!
  • Ein billiges Notizbuch ohne Linien/Raster reicht erst einmal. Es ist sogar von Vorteil, wenn das Papier bzw. das ganze Buch nicht zu kostbar/teuer ist. Du traust dich dann automatisch mehr.
  • Wähle erst mal ein Buch im Hochformat (engl. „portrait“), das bietet dir mehr Möglichkeiten. Ein Zeichenbuch im Querformat (engl. „landscape“) ist zwar gut für Landschaftsbilder, ein Hochformat ist aber viel flexibler. Du kannst eine Seite für eine hochformatige Komposition nutzen, eine Doppelseite für eine querformatige. Das Landscape-Buch bietet nur breites und extrabreites Querformat (außer, du drehst es, aber dann ist es ungünstig festzuhalten …)

    Skizzenbuch-Tipps für alle

    • Wenn du nicht eine wunderbare kalligrafische Schreibschrift hast, rate ich dir, in Druckbuchstaben zu schreiben. Das sieht sauberer aus und bringt einen Gegensatz zum Zeichenduktus. Ich schreibe in den meisten Fällen in Großbuchstaben, da sich hier der Kontrast noch mal verstärkt
    • Schreibe immer das Datum dazu, egal, was du im Skizzenbuch machst. Es ist wirklich interessant, Inhalte im Nachhinein zeitlich zuordnen zu können. Bei einigen meiner ganz alten Skizzen habe ich kein Datum vermerkt. Das finde ich heute richtig schade!
    • Notiere immer auf der ersten Seite deine E-Mail-Adresse (vielleicht sogar deine Telefonnummer) mit der Bitte, dass ein möglicher Finder dich kontaktiert. So habe ich in Spanien einmal nach einer Woche ein verlorenes Skizzenbuch von einer netten Finderin zurückbekommen.
    • Du musst dein Skizzenbuch nicht chronologisch führen. Du kannst auch mittendrin anfangen. Denke aber daran, das Datum hinzuzufügen, damit du die Skizzen zeitlich zuordnen kannst
    • Zeichne regelmäßig! Dann hast du auch einen Grund, neue/andere Skizzenbücher auszuprobieren ;^)

    und sonst …

    Ich hoffe, dass du schon Skizzenbücher nutzt. Wenn nicht, hat dich mein Text vielleicht motiviert.

    Eine letzte Frage: Hast du Interesse an einem geführten Skizzenbuch-Kurs? Gibt es Themen, die dich besonders interessieren würden?

    Schreib mir doch mal, was du so mit deinem Skizzenbuch anstellst oder was dich interessiert :^)

    Viele Grüße

    Unterschrift Anne

    Wenn du Tipps zur Zeichenroutine und zum lockeren Zeichnen brauchst, dann lade dir doch unten die 5 Tipps herunter und/oder schau dir mal meinen Online-Zeichenkurs „Befreie deinen Strich“ an

    5 Tipps für entspanntes Zeichnen