Mindset eines Künstlers – 7 Wege, um achtsam und ohne Druck zu malen
Malen ohne Druck – wie du den kreativen Prozess lieben lernst (und nicht nur das Ergebnis)
Kreativer Prozess vs. perfektes Ergebnis: Kennst du diese kleine Stimme im Kopf, die flüstert: ‚Ist das wirklich gut genug? Könnte man das nicht noch besser machen?‘?
Manchmal ist man hin- und hergerissen zwischen dem Flow des Schaffens und dem Druck, etwas ‚Perfektes‘ abliefern zu müssen. Als Künstlerin und Kursleiterin erlebe ich diese Zerrissenheit zwischen Begeisterung und Perfektionismus immer wieder. Wäre es nicht schön, wenn wir uns von diesem Druck befreien und die Freude am kreativen Prozess wiederfinden?
Deshalb geht es in meinen Kursen nicht primär darum, die Teilnehmer zu ‚besseren Ergebnissen‘ zu führen. Mein Ziel ist es, zu vermitteln, dass sich Kreativität optimal entfaltet, wenn wir den Weg selbst wertschätzen. Das bedeutet nicht, dass Ziele unwichtig sind – aber der Fokus auf den Prozess verändert alles.
Ich sehe immer wieder, wie meine Teilnehmer aufatmen, wenn ich sage: „Heute müsst ihr nichts Großartiges schaffen. Vergesst das Ergebnis! Konzentriert euch einfach darauf, wie sich der Pinselstrich anfühlt, wie die Farbe riecht, was sich verändert, wenn ihr ins Tun kommt.“ Das klingt so simpel, ist aber wichtig! Denn sobald wir den Druck loslassen, entsteht Raum – für Experimente, für Neugier, sogar für Freude an vermeintlichen „Fehlern“.

Im kreativen Flow.
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7 Strategien zum Malen ohne Druck – Achtsamkeit in der Kunst
In diesem Blogbeitrag teile ich Strategien und Denkkonzepte, die mir geholfen haben, diese Haltung zu entwickeln – und die ich seit Jahren in Workshops weitergebe. Es geht nicht um Esoterik, sondern um konkrete Schritte, wie du Druck ablegst, Neugier kultivierst und das Schaffen wieder als Abenteuer erlebst.
Diese Denkweisen helfen mir und meinen Kursteilnehmer:innen, den kreativen Prozess wertzuschätzen. Von Achtsamkeitstechniken bis hin zu pragmatischen Übungen – hier findest du alles, was du brauchst, um den Weg selbst als Ziel zu sehen.
Mindset eines Künstlers
1. Achtsam malen: Im Hier und Jetzt
Das Problem: dir fehlt die Freude am Tun
- Unser Geist schweift oft ab – in Sorgen über das Ergebnis oder Selbstzweifel aus der Vergangenheit. Das raubt die Freude am gegenwärtigen Tun.
- Manchmal verliert man sich in Gedanken an die Zukunft („Wird das Bild gut?“) oder der Vergangenheit („Das letzte Bild war nicht perfekt“). Dadurch fehlt die Verbindung zum jetzigen Moment, zur gegenwärtigen Arbeit – und der Prozess wird zur stressigen Pflicht.
Die Lösung: Sei präsent im Hier und Jetzt, und nimm den Moment wichtig
- Verharre nicht in der Vergangenheit oder warte auf die Zukunft. Lebe und male im Hier und Jetzt.
- Du kannst jeden Moment beeinflussen. Jetzt. Und jetzt.
- Nimm den Malprozess wahr und spüre, was du tust: Wie fühlt sich der Pinsel in deiner Hand an? Wie gleitet die Farbe über die Leinwand?
- Beobachte die Farben und ihre Interaktionen und nimm dies bewusst wahr.
- Achtsamkeit verwandelt den Malprozess in eine meditative Praxis, die den Kopf frei macht und deine Sinne schärft.
Im Zen geht es darum, den Augenblick vollständig zu erfassen – ohne Bewertung, ohne Ablenkung. Genau das ist der Kern der Achtsamkeit beim kreativen Arbeiten. Lass dich vollständig auf den kreativen Prozess ein, um deine Intuition zu aktivieren.
Achtsam zeichnest du auch bei der Zeichenchallenge FrühlingsZeich(n)en. Hier alle Infos →

Praxis-Tipp für mehr Freude am künstlerischen Tun
Spüre den Pinsel in deiner Hand, höre das Kratzen des Stifts auf dem Papier, atme bewusst, wenn Gedanken abschweifen.
Indem du dich bewusst auf die sinnlichen Aspekte des Malens oder Zeichnens konzentrierst, verringerst du Ablenkungen und steigerst deine Kreativität. Du wirst offener für neue Ideen und intuitive Entscheidungen.
2. Perfektionismus ablegen: Warum Fehler deine kreativsten Lehrer sind
Das Problem: Perfektionismus lähmt deine Kunst
- die Angst, etwas „falsch“ zu machen, blockiert deinen Flow
- Bilder und Projekte bleiben unvollendet oder du startest erst gar nicht
Die Lösung: Lass den Perfektionismus los – Fehler sind Freunde
- Erlaube dir bewusst „schlechte“ Bilder. Fehler sind Experimente, die neue Wege eröffnen.
- Inneren Kritiker stoppen: Setze kleine, realistische Ziele (z. B. „Heute male ich 15 Minuten, ohne zu bewerten“).
- Erinnere dich: Unvollkommenheit macht Kunst menschlich und einzigartig.
Die japanische Wabi-Sabi-Philosophie feiert die Schönheit des Unperfekten – wie die mit Gold reparierten Risse in Keramik. Im Kintsugi werden Risse mit Gold gefüllt und als Zeichen von Geschichte und Widerstandsfähigkeit verehrt.
Probiere es aus: Jeder „Fehler“ ist ein Experiment, das dich zu unerwarteten Orten führen kann.
Das taoistische Prinzip des „Wu Wei“ („Nicht-Handeln“) lehrt, im Einklang mit dem natürlichen Fluss des Lebens zu handeln – ohne zu erzwingen, ohne zu kämpfen. Perfektionismus ist das Gegenteil davon: Er ist ein Widerstand gegen das, was ist.
„Vertraue dem Wasser, statt dagegen zu schwimmen.“
… und auf Neu-Deutsch: „Go with the flow“ :^)

Praxis-Tipp bei Kunst-Perfektionismus
Wenn du das nächste Mal einen „Fehler“ machst, frage dich: „Wie würde ein Kintsugi-Meister diesen Moment behandeln?“
Verwandle den scheinbaren Makel in einen bewussten Teil deines Werks – betone eine unstimmige Farbkombination oder einen misslungenen Pinselstrich.

Der Prozess ist wichtiger als das Resultat.
3. Kreativer Prozess: Spielerische Freiheit durch das Aufbrechen von Mustern
Das Problem: Routine und Gewohnheit ersticken die Kreativität
- Du wiederholst immer wieder die gleichen Techniken und Motive, ohne neue Wege zu erkunden.
- Deine Kunst fühlt sich vorhersehbar und uninspiriert an.
Die Lösung: Befreie dich von alten Mustern und Konventionen.
- Erlaube dir, neue Materialien, Techniken und Herangehensweisen auszuprobieren, auch wenn sie ungewohnt oder riskant erscheinen.
- Spielerisches Ausprobieren befreit die Blockade und weckt kindliche Neugier.
Betrachte deine Kunst als ständigen Lernprozess. Sei offen für neue Erfahrungen und betrachte jeden Fehlschlag als Chance zum Wachstum.
Beginners Mind – der „Anfänger-Geist“ des Zen
Der Zen-Meister Shunryū Suzuki sagte: „Im Anfänger-Geist gibt es viele Möglichkeiten, im Geist des Experten nur wenige.“ Dieser „Shoshin“ ist eine Haltung, alles mit der Neugier eines Kindes zu betrachten, als sähe man es zum ersten Mal.
„If your mind is empty, it is always ready for anything; it is open to everything. In the beginner’s mind the are many possiblities, but in the expert’s mind there are few.“
Das Zitat beschreibt die Offenheit und Neugier des „Anfängergeistes“ – eine Haltung, in der wir ohne feste Erwartungen oder starre Konzepte an Dinge herangehen. Unser „Expertenwissen“ kann uns blind für anderes Sichtweisen oder neue Wege machen – damit können wir uns unbewusst begrenzen. Je mehr wir versuchen, alles „richtig“ zu machen, desto mehr engen wir uns selbst ein.
Kreatives Spielen ist genau das: ein bewusstes Ablegen von Erwartungen und (vermeintlicher) Expertise.

Praxis-Tipp gegen Kunst-Routine
Widme dem „sinnfreien“ Arbeiten regelmäßig Zeit – ohne Ziel, ohne Thema. Nutze dabei Materialien, die du nicht kennst, oder arbeite mit geschlossenen Augen.
So umgehst du den inneren Kritiker und aktivierst den Shoshin, den Anfängergeist.
4. Der Weg ist das Ziel: Dokumentiere deine Fortschritte und erkenne dein Wachstum
Das Problem: du bist auf das Endergebnis fixiert
- Du hast das Gefühl, dass du auf der Stelle trittst.
- Du übersiehst, wie viel du bereits lernst und wächst – das frustriert und demotiviert.
Die Lösung: Der Weg ist das Ziel – Schätze ihn!
- Führe ein Kunst-Tagebuch: Halte fest, was du gelernt hast, nicht nur, was du produziert hast.
- Mache Fotos von Zwischenschritten – sie zeigen, wie wichtig sie sind und wie viel Arbeit und Liebe im Prozess steckt. Außerdem kannst du den Fortschritt erkennen.
- Feiere Mini-Erfolge (z. B. „Ich habe heute mutig eine neue Technik ausprobiert!“).
Alles ist im Fluss – auch deine Kreativität. Dokumentiere deinen Prozess wie ein Tagebuch. Halte nicht nur fest, was du geschaffen hast, sondern auch, was du gefühlt hast: „Heute habe ich gemerkt, wie schwer es mir fällt, Kontrolle loszulassen.“ Die Dokumentation der Zwischenschritte erinnert dich daran, dass Wachstum im Werden liegt, nicht im Vollendetsein.
Wenn wir den kreativen Prozess dokumentieren, erkennen wir, wie sich unsere Ideen, Fähigkeiten und vielleicht auch unser Stil wandeln.

Praxis-Tipp den Kunst-Prozess
Führe dein Kunst-Notizbuch wie ein Tagebuch. Schreibe nicht nur über Fortschritte, sondern auch über Gefühle und Widerstände.
Reflektiere: „Was hat mich heute überrascht? Wo habe ich mich gegen den Flow gesträubt?“
5. Freude am Malen: Inspirierende Umgebung für Kunst schaffen
Das Problem: du hast keine Zeit und keinen Platz für Kunst
- Chaos oder Zeitmangel ersticken die Kreativität, bevor sie beginnt.
- Ablenkungen oder die „Ich-habe-keine-Zeit“-Mentalität verhindern, dass deine Kunst Raum zum Atmen findet.
Die Lösung: Schaffe eine inspirierende Umgebung und Routine
- Gestalte deinen Arbeitsplatz als einen Ort der Konzentration.
- Plane feste Kreativ-Zeiten – schon 10 Minuten täglich schaffen Kontinuität.
- Tausche dich mit Gleichgesinnten aus: Inspiration entsteht im Austausch.
In der asiatischen Tradition ist der Raum ein Spiegel der Seele. Feng Shui lehrt, Umgebungen so zu gestalten, dass die Energie (Chi) fließen kann. Zen-Klöster haben schlichte, klare Räume, um Ablenkungen zu minimieren. Auch dein kreativer Ort sollte ein „Dojo“ sein – ein Ort der Konzentration und Inspiration.

Praxis-Tipp für deinen Kunst-Arbeitsplatz
Richte deinen Arbeitsplatz nach dem Prinzip ‚weniger ist mehr‘ ein. Umgib dich mit wenigen Dingen, die dich inspirieren – das kann auch eine einzelne Blume, ein Stein, ein Zitat sein.
Schaffe bewusst Leere, um Platz für Neues zu machen.
6. Innerer Kritiker in der Kunst: Du musst nicht dein schärfster Richter sein
Das Problem: Du kritisierst dich und vergleichst dich mit anderen
- Harte Selbstkritik („Das kann ich nicht“, „Das ist nicht gut genug!“) vergiftet dir die Freude am Schaffen.
- Vergleiche mit anderen („Die sind viel besser“) untergraben dein Selbstvertrauen.
- Druck durch Social Media kann dazu führen, dass du dich an Trends und Erwartungen anpasst, anstatt deine eigene Stimme zu finden.
- Du fühlst dich unter Druck, „gut“ oder „erfolgreich“ zu sein, anstatt deine eigene Wahrheit auszudrücken.
Die Lösung: Sei mitfühlend mit dir selbst
- Sprich mit dir wie mit einem Freund: „Es ist okay, dass es heute nicht klappt. Versuch es morgen wieder.“
- Erinnere dich: Jede/r Kreative hat eigene Stärken und ein eigenes Tempo.
- Pausen sind kein Versagen oder sind unproduktiv – sie laden die Batterien auf.
- Vergleiche dich nicht auf Social Media – vielleicht kannst du ja mal ein paar Tage darauf verzichten?
- Konzentriere dich auf deine eigenen Werte, Erfahrungen und Perspektiven
Mitgefühl beginnt bei dir selbst. Deine „Unzulänglichkeiten“ sind Teil deiner Einzigartigkeit. Ein Zen-Meister würde sagen: „Ein Baum vergleicht sich nicht mit anderen Bäumen – er wächst einfach.“
Sieh die Parallelen zur buddhistischen Meditationslehre. Metta (liebende Güte) ist eine Meditation, bei der man Mitgefühl erst für sich selbst, dann für andere kultiviert. Du arbeitest damit deinem „inneren Richter“ entgegen.

Praxis-Tipp gegen den inneren Kritiker
Wenn du blockiert bist, leg die Hände aufs Herz und sage dir: „Ich möchte geduldig sein. Ich möchte freundlich zu mir sein.“
Diese einfache Metta-Übung unterbricht den Kreislauf der Selbstverurteilung.
7. Authentische Kunst: Finde Sinn in deinem Tun
Das Problem: Kreativität wird zur leeren Pflicht
- Das Schaffen wird mechanisch und macht keine Freude.
- Du fühlst dich verpflichtet, Kunst zu machen – oder eine bestimmte Kunstrichtung weiterzuführen.
- Wenn Kreativität nur noch leere Hülle ist („Ich muss etwas produzieren“), fehlt die emotionale Verbindung.
- Der Druck, etwas „Brauchbares“ zu schaffen, tötet die Leichtigkeit.
Lösung: Finde Sinnhaftigkeit in deiner Kunst
- Frage dich: Warum willst du kreativ sein? Ist es Selbstausdruck, Heilung, Freude?
- Erlaube dir, du selbst und unvollkommen zu sein.
- Schaffe Kunst, die von Herzen kommt und deine persönliche Geschichte erzählt.
- Teile deine Kunst, um Verbindung zu schaffen – selbst wenn es nur eine Person berührt.
Lebe das japanische „Ikigai-Prinzip“. Ikigai bedeutet „das, wofür es sich zu leben lohnt“. Was möchtest du mit deiner Kunst in der Welt bewegen, unabhängig von Anerkennung oder Erfolg?
Wenn du deine Leidenschaft und deine Talente mit einer tieferen Bedeutung verbindest und damit deine Kunst sinnhaftig wird, entspringt sie nicht mehr dem Ego, sondern einer tieferen Quelle.

Praxis-Tipp für den Sinn in deiner Kunst
Stell dir vor dem Schaffen die vier Ikigai-Fragen:
- Was liebe ich?
(z. B. Farben, Geschichten, …) - Was braucht die Welt?
(z. B. Hoffnung, Lachen, …) - Was kann ich teilen?
(z. B. Perspektiven, Schönheit, …) - Worin bin ich gut?
(z. B. intuitive Pinselstriche, …)
Erlaube dir das zu machen, was dir Freude bereitet und was von Herzen kommt.
Mehr zur Meditation auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Meditation

Der kreative Prozess ist Arbeit und Handwerk
Kunst wird oft verklärt – dabei ist sie vor allem eins: Arbeit. Aber Arbeit, die Spaß machen kann, wenn wir uns vom Ergebnis lösen. „Scheitern“ ist kein Feind, sondern ein natürlicher Teil des Prozesses. Meine Meditationspraxis hilft mir dabei nicht als magische Lösung, sondern als Werkzeug, um klarer zu sehen: Wo halte ich krampfhaft fest? Wo kann ich lockerer lassen?
Ein pragmatischer Tipp zum Schluss: Beginne dein nächstes Projekt mit einer simplen Frage: „Was möchte ich heute erleben?“ Wenn du nicht das ‚perfekte Bild‘ im Kopf hast oder denkst „Das genau möchte ich erreichen!“, bist du seltener enttäuscht und malst freier. Und genau um diese Freiheit geht es mir (und vielleicht auch dir).
Je öfter wir das Tun genießen, desto leichter wird es, uns auf den Weg einzulassen – ganz unverkopft. Das könnte man – ganz einfach – als Mindset eines Künstlers bezeichnen.
Dieser Beitrag entstand in meinem Atelier, umgeben von halbfertigen Bildern – und der Gewissheit, dass auch sie irgendwann ihren Weg finden werden.